Die Buchhandlung zur Schmökerei präsentiert ab sofort jeden Monat ihr Buch des Monats.
Fernab der Bestsellerlisten tummeln sich viele kleine Meisterwerke, die in der Masse der Bücher leider häufig untergehen. Literarischen Werken aus mehrheitlich kleinen und unabhängigen Verlagen wollen wir, in unserer kleinen und unabhängigen Buchhandlung, ein Schaufenster bieten.
Zu jedem Buch des Monats gibt es eine kurze Rezension und ab und zu Hinweise auf weiterführende Literatur, die zum Buch des Monats passt.
Entdecken Sie zusammen mit uns literarische Werke, die mehr Aufmerksamkeit verdient haben.
Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen!
Buch des Monats März
Buch des Monats März 2026
Megan Nolan: „Kleine Schwächen“ aus dem Kjona Verlag
Megan Nolan hat mit ihrem zweiten Roman ein fulminantes Werk geschrieben. Nolan porträtiert die Familie Green und insbesondere deren Tochter Carmel. Die irische Familie wird im London der 1990er-Jahre eher gemieden. Als im Wohnblock der Familie ein kleines Kind stirbt, wird sofort die zehnjährige Lucy, die Tochter von Carmel, zur Hauptverdächtigen. Die kleine Lucy passt auch der englischen Boulevardpresse bestens ins Bild. Welche Abgründe diese eröffnet, um eine gute Story zu erreichen, zeigt Nolan mit der Figur des Reporters Tom Hargreaves schonungslos auf. Ebenfalls schonungslos beschreibt Nolan im Laufe des Romans nach und nach das Leben der Familienprotagonist*innen. So begegnen wir Carmels erster Liebe und ihrem Kampf mit der ungewollten Schwangerschaft. Wir sehen, wie ihr Bruder zunehmend die Kontrolle über sein Leben verliert und wie ihr Vater den Bruch der ersten Ehe nie verkraftet hat. Als Leser*in fühlt und fiebert man mit den Protagonist*innen mit.
Eine recht gewöhnliche Familie, die mit Schicksalsschlägen konfrontiert wird und diese auf ihre Art meistert – oder eben nicht. Der Autorin gelingt es, dieses Familienporträt spannend wie einen Krimi zu schreiben, aber deutlich literarischer als einen solchen. Die Schicksale der einzelnen Personen sind in ihre Zeit eingebettet, und diese gibt Nolan sehr gut wieder. Die Themen – ein uneheliches Kind ohne bekannten Vater in Irland, Ir*innen in England zur Zeit der IRA-Bombenkampagne in England und die bekannte englische Boulevardpresse – sind dabei besonders hervorzuheben.
Megan Nolan wurde 1990 in Waterford, Irland, geboren. Sie hat Essays für die New York Times und den Guardian geschrieben. 2021 erschien ihr Debüt «Verzweiflungstaten». «Kleine Schwächen» ist Megan Nolans erster Roman im Kjona Verlag.
Filmtipp zum Thema Ir*innen in England und die IRA: Im Namen des Vaters (Originaltitel In the Name of the Father) des irischen Regisseurs Jim Sheridan aus dem Jahr 1993.