Paradise Garden

Billie lebt zusammen mit ihrer Mutter in einer nicht näher benannten Hochhaussiedlung irgendwo in Deutschland. Billies Mama ist klassische Multijobberin und wo die finanziellen Mittel knapp sind, springt sie mit Einfallsreichtum und Liebe ein. Mutter und Tochter sind ein tolles Team, eingespielt und stets liebevoll dem anderen gegenüber.

Als die beiden an einem Gewinnspiel im Radio teilnehmen und gewinnen, steht fest, dass sie sich einen Traum erfüllen möchten; Sommerferien in Frankreich. Der Plan steht, die Reisekleidung ist gewaschen und liegt parat, die letzte Nacht vor der grossen Reise ist angebrochen.

Billie ahnt am nächsten Morgen, dem Tag der Abreise, schon beim Blick ins Wohnzimmer, dass etwas nicht stimmt. Ihre Mutter eröffnet ihr dann auch unverhohlen, sie müssten ihre Reise verschieben, Billies Grossmutter sei schwer krank und würde aus Ungarn für eine Weile zu ihnen ziehen. Noch bevor Billie die Neuigkeit akzeptieren oder die geänderten Pläne verdauen kann, steht ihre Grossmutter mit Sack und Pack an der Tür und zieht mit gefühlt Hunderten Heiligenfiguren in Billies Zimmer ein. Die 14-Jährige ahnt schnell, dass ihre Gewohnheiten durch die Anwesenheit der Grossmutter durcheinandergeraten werden und je länger diese bleibt, desto unwohler fühlt sich Billie in der ohnehin schon kleinen Wohnung. Als ein Streit zwischen der Mutter und der Grossmutter ein jähes und trauriges Ende nimmt, sieht Billie sich auf sich allein gestellt und sie konzentriert sich fortan auf die Suche nach ihrem Vater.

Elena Fischer, die denselben Jahrgang hat wie ich, ist mit diesem Debütroman ein kleines Meisterwerk gelungen. Einfühlsam, rasant und detailreich beschreibt sie ein Leben, in dem Zusammenhalt, gegenseitige Hilfe und Vertrauen so viel wichtiger sind als finanzielle Sicherheiten oder irgendein gesellschaftlicher Status. «Paradise Garden» zählt für mich zu den kleinen feinen literarischen Entdeckungen dieses Jahres!

Elena Fischer – Paradise Garden

Diogenes 2025, 978-3-257-24775-6